Prof. Dr. Ulrich Schiffner

Kariesprophylaxe mit Fluorid – wie ist der aktuelle Stand?

Die bedeutende Rolle von Fluorid in der Kariesprävention ist unbestritten. Der in industrialisierten Ländern vielfach beobachtete Kariesrückgang wird zu einem großen Teil auf die gute orale Verfügbarkeit von Fluorid zurückgeführt. Dies wird in mehreren internationalen Guidelines und Statements berücksichtigt und ist auch Grundlage der deutschen Leitlinie über Fluoridierungsmaßnahmen.

Die karieshemmende Wirkung von Fluorid kommt in erster Linie durch die Einzeleffekte der Förderung der Remineralisation initialkariöser Defekte und der Bildung einer fluoridhaltigen Speicherschicht auf der Zahnoberfläche zustande. Es besteht eine enge Beziehung zwischen der Konzentration lokal applizierter Fluoridverbindungen und der Karieshemmung. Der Effekt eines erhöhten Fluoridgehaltes im Zahnschmelz, insbesondere nach systemischer Fluorideinnahme, wird heute hingegen als gering eingeschätzt. Demzufolge erfordert eine wirkungsvolle Kariesprävention mit Fluorid die lokale Applikation von Fluoridverbindungen auf die Zahnoberflächen.

Die Basis-Fluoridierung soll vom ersten Milchzahn an mittels Zahnpasten erfolgen. Die kariespräventive Wirksamkeit der Anwendung fluoridierter Zahnpasta bei Schulkindern und Jugendlichen ist sehr gut belegt. Verschiedene weitergehende Fluoridierungsmaßnahmen werden risikoorientiert empfohlen. Hierzu zählt die Anwendung fluoridhaltiger Lacke, deren Anwendungsfrequenz wesentlich vom aktuellen Kariesrisiko abhängt. Dies ist bei der Applikation fluoridhaltiger Lacke bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen und Senioren mit erhöhtem Kariesrisiko zu beachten. Risikogerechte Kariesprävention mit Fluoriden erfordert die Bestimmung des individuellen Kariesrisikos der jeweiligen Patienten durch das zahnärztliche Behandlungsteam.

Prof. Dr. Ulrich Schiffner

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Poliklinik für Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde

Studium der Zahnheilkunde an der Universität Hamburg, 1980 Approbation, 1981 Promotion, seit 1982 am Zentrum ZMK des UKE, 1988-1992 Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung DGZ, 1993 Habilitation (Der Einfluss von Speichelproteinen auf die Demineralisation von Zahnschmelz), 1994 Oberarzt, 1996 Professur, 2002-2006 1. Vorsitzender des Arbeitskreises für Epidemiologie und Public Health der DGZMK, 2004-2008 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde DGK, seit 2008 Fortbildungsreferent der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde.

Fortbildungskurse zur Kariesprävention
Forschungsschwerpunkte: Kariesätiologie und -prophylaxe, Epidemiologie, Deutsche Mundgesundheitsstudien

 

 

 

 

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